Hören mit dem dritten Ohr

Assoziative Reflexionen zur inneren und äußeren Welt

07. April 2020

7. April 2020


Liebe M.

Das mit der Angst um mich in der Identifikation mit mir habe ich nicht verstanden. Denkst du dabei ans Scheitern? Daran, dass der Versuch, sich zu äußern einer weiteren Lüge gleichkommen könnte? So dass es besser wäre, geschwiegen zu haben anstatt sich zu „ver“ äußern und damit nur weiteres Missverstehen zu erzeugen? Nicht die Worte gefunden zu haben, welche die Welt verändern könnten. Nicht einmal und gerade nicht die subjektive? Dass das Schreiben ein hilfloser Versuch bleiben könnte, sich aus dem eigenen Elend zu befreien? Und dies dann nur zu einer noch tieferen Depression führen würde?

So verstehe ich den Gedanken der halben Wahrheit und der dreiviertel Lüge. Ich denke dabei an das analytische Konzept des „falschen Selbst“ von D. W. Winnicott. An die Idee, dass wir oft nur meinen, spontan zu sein, wenn wir eigentlich einem inneren Konzept von Spontaneität folgen. Quasi haarscharf vorbei. Und uns dadurch aber nicht identitätsstiftend, sondern eher dissoziierend fühlen. Als verlören wir uns permanent selbst beim hoffnungsvollen Versuch, uns doch eigentlich zu finden.

Wer darf die Wahrheit über einen kennen? Erübrigt sich die Frage nicht in dem Moment, wo wir unserer eigenen Wahrheit näher kommen?

Liebe Grüße vom Schreibtisch, wo ich nun meine Stellungnahme beginnen werde. S.

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