Hören mit dem dritten Ohr

Assoziative Reflexionen zur inneren und äußeren Welt

Liebe S.,

immer, wenn ich nicht mehr weiß, weiß es ein Gedicht für mich. Es suggeriert mir die Wörter, die Beschreibung, das Bild, die Sequenz, die Gesten, die Blicken, die Geräusche, die Erinnerung, die Sehnsucht, die Erfahrung. Die wiederkehrende Kulisse.

Ich liebe Wörter. Und liebe Bilder. Überlege, wie ich die Übersetzung wagen könnte. Ich würde sie gar nicht schreiben wollen, sondern erzählen. Ein Brainstorming an Wörtern, Bilder, Redewendungen, Ausdrücke. Vorlesen und gemeinsam suchen. Den Anfang macht Patrizia Cavalli.

Dann Rilke Vorlesen. Alkestis:

Der aber brach die Schale seines Schreckens
in Stücken ab und streckte seine Hände
heraus aus ihr, um mit dem Gott zu handeln.
Um Jahre, um ein einzig Jahr noch Jugend,
um Monate, um Wochen, um paar Tage,
ach, Tage nicht, um Nächte, nur um Eine,
um Eine Nacht, um diese nur: um die.
Der Gott verneinte, und da schrie er auf
und schrie’s hinaus und hielt es nicht und schrie
wie seine Mutter aufschrie beim Gebären.

Presto.

M.

 

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