Hören mit dem dritten Ohr

Assoziative Reflexionen zur inneren und äußeren Welt

Liebe S., Du schreibst mir am 7. April. 2020: der 7 April ist ein besonderes Datum in meiner Erinnerung. Es hat mit dem Terrorismus in Italien der 70er Jahre zu tun, mit der Rolle der Wörter, der Ideologien, der Gewalt, mit der Faszination der Meister für idealistischen jungen Leute. 7. April war der Name eines …

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07. April 2020

7. April 2020


Liebe M.

Das mit der Angst um mich in der Identifikation mit mir habe ich nicht verstanden. Denkst du dabei ans Scheitern? Daran, dass der Versuch, sich zu äußern einer weiteren Lüge gleichkommen könnte? So dass es besser wäre, geschwiegen zu haben anstatt sich zu „ver“ äußern und damit nur weiteres Missverstehen zu erzeugen? Nicht die Worte gefunden zu haben, welche die Welt verändern könnten. Nicht einmal und gerade nicht die subjektive? Dass das Schreiben ein hilfloser Versuch bleiben könnte, sich aus dem eigenen Elend zu befreien? Und dies dann nur zu einer noch tieferen Depression führen würde?

So verstehe ich den Gedanken der halben Wahrheit und der dreiviertel Lüge. Ich denke dabei an das analytische Konzept des „falschen Selbst“ von D. W. Winnicott. An die Idee, dass wir oft nur meinen, spontan zu sein, wenn wir eigentlich einem inneren Konzept von Spontaneität folgen. Quasi haarscharf vorbei. Und uns dadurch aber nicht identitätsstiftend, sondern eher dissoziierend fühlen. Als verlören wir uns permanent selbst beim hoffnungsvollen Versuch, uns doch eigentlich zu finden.

Wer darf die Wahrheit über einen kennen? Erübrigt sich die Frage nicht in dem Moment, wo wir unserer eigenen Wahrheit näher kommen?

Liebe Grüße vom Schreibtisch, wo ich nun meine Stellungnahme beginnen werde. S.

Social Distancing ist ein spannendes Phänomen. Wo kommt eigentlich die Namensgebung her? Wäre nicht physical distancing eigentlich als Begrifflichkeit treffender für das, was bezweckt ist? Es geht ja in allererster Linie um die räumliche Distanzierung mit dem Ziel, die Ausbreitung infektiösen Geschehens zu kontrollieren. Von gesellschaftlichem Abstand oder gar Isolation als Idee des Ganzen war …

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Ich veröffentliche hier einen Beitrag, den ich in der Elternzeit mit meiner Tochter geschrieben habe, als die Langeweile im häuslichen Dasein zu groß wurde. Und ich wieder einmal viele frustrierende Begegnungen mit anderen Müttern hinter mir hatte, mir schrecklich einsam vorkam und mich fragte, ob es eigentlich keine gottverdammte Frau auf diesem Stückchen Erde gibt, …

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